„Of One Blood“ – 29. Juni 2026

Diese Oper von Brett Dean, die sich handlungsgemäß genau nach der Historie des Geschehnisses des 16. Jahrhunderts richtet, in welchem Elizabeth I. von England ihre Cousine Mary Stuart, Königin von Schottland hinrichten ließ (Libretto von Heather Betts nach Texten von Mary Stuart, Elisabeth Tudor und anderen Quellen aus dem 16. Jahrhundert- wegen der verwandtschaftlichen Verhältnisse dürfte sich wohl der Titel der Oper ergeben) kam während der Opernfestspiele 2026 an der Bayerischen Staatsoper (Premiere war schon am 10. Mai 2026) zur Aufführung.

Nachdem dieses musikalisch hochkarätige moderne Werk dem Opernbesucher kaum bekannt war und ist, war man höchst neugierig, dieses Werk musikalisch kennenzulernen. Es ist ein sehr gut durchkomponiertes Werk der Moderne, höchst anspruchsvoll kommt es zum Zuhörenden, hat manche sehr schöne Kompositionsabschnitte, wo man das Handlungsgeschehen nebenbei gut verfolgen kann, ohne daß man sich in der Konzentration „verbiegen“ muß.

Dazu braucht man auch einen erfahrenen Dirigenten, hier GMD Vladimir JUROWSKI, der das ORCHESTER DER BAYERISCHEN STAATSOPER fest im Griff hatte, und dazu auch noch eine grandiose Sängerführung aufwies.

Claus GUTH übernahm nun die Inszenierung dieses Werks, was ihm ausgezeichnet gelungen ist. Schon allein die erste Szene, die in Westminster Abbey die beiden Särge der beiden Königinnen aufzeigt, in welcher man einen DNA-Test im Sarg der Mary Stuart durchführte, empfindet man als passsend. Herr Guth zeigte auch eine perfekte Personenregie auf, welche die Verschiedenheit der beiden Cousinen hinsichtlich der beiden Religionen bestens interpretierte, wobei er immer wieder die Unschuld der Mary Stuart und ihre Ängste und Zweifel hervorragend herausgearbeitet darstellen konnte.

Man hatte sich für die Rollen der beiden Rivalinnen auch zwei Sopranistinnen von Weltrang ausgesucht, die in der gesanglichen Darstellung ihrer Partien Weltklasse zeigten, nämlich als Elizabeth I. zeigte Johanni VAN OOSTRUM ihr volles sopranistisches Können, sie konnte die Zweifel – ob Hinrichtung ihrer Cousine oder nicht – voll in bester stimmlicher Disposition ausdrucksstark zum Publikum bringen, während Vera-Lotte BOECKER mit äußerstem körperlichen Einsatz und mit best ausgearbeiteten Sopranhöhen ihre Verzweiflungsszenen und nicht nur diese darbieten konnte. Unendlicher Jubel am Ende der Vorstellung für beide Künstlerinnen.

Die Bühne von Etienne PLUS und die Kostüme von Ursula KUDMA paßten sich bestens der Historie gemäß dieser guten Inszenierung von Claus Guth an. In den weiteren Rollen der Anhängerinnen der Mary Stuart, hier als Female Consort bezeichnet, erlebte man Seeonwoo LEE, Mirjam MESAK, Lotte BETTS-DEAU und Meg BRILLEDYPER, die sich in gesanglicher Bestinterpretation dem Publikum vorstellen konnten, wie auch Freya APFELSTAEDT als Jane Kennedy.

Ebenso stellten sich die männlichen Begleiter der Mary – hier als Male Consort bezeichnet – dem Publikum in ebenso gesanglicher und darstellerischen Besposition vor, wobei meines Erachtens besonders Michael BUTLER herausragte, der den brutalen tölpelartigen und dann später ermordeten Gemahl der Mary stimmlich und darstellerisch bestens herausgearbeitet, darstellen konnte. Die weiteren Anhänger der Mary wurden von Joel WILLIAMS, Andrew HAMILTON und Armand RABOT rollengerecht verkörpert, sowie ebenfalls Pawel HORODYSKI als Executioner.

Das Solo-Cembalo wurde von Mahan ESFAHARI, in das Musikalische bestens eingefügt, perfekt gekonnt gespielt, während wieder einmal der CHOR DER BASERISCHEN STAATSOPER unter Christoph HEIL perfekt einstudiert auf der Bühne war. Das OPERNBALLETT DER BAYERISCHEN STAATSOPER unter der Choreographie von Sommer ULRICKSON konnte wieder einmal sein bestes Können zeigen.

Und am Ende tobte das Publikum und belohnte die Künstler mit immerwährendem Beifall, nur einem Buher im Parkett gefiel es nicht, aber was soll einer gegen viele. I.St.