Dieses Drama per musica des großen Georg Friedrich Händel sollte im Prinzregententheater München während der Opernfestspiele 2026 wieder eine Würdigung finden. Aber wie fiel diese Würdigung aus?
Diesem fast vierstündigen Barockwerk, wobei das Libretto von einem unbekannten Bearbeiter nach dem Antonio Fanzaglia zugeschriebenen Libretto einer Oper von Riccardo Broschi „L’isola di Alcina“ stammen soll, kann seitens der Rezension überhaupt keine Zustimmung gegeben werden.
Das ganze Werk hatte an diesem Abend deshalb nur beste Interpreten zu bieten. Der Inszenierung von Johanna WEHNER fehlt aber jede Einfühlung in die Zeit des Barocks, ohne Regie-Ideen außer nackten Männern im letzten Teil der Oper (das hat überhaupt nichts mit dem Libretto zu tun), auch das Bühnenbild von Benjamin SCHÖNECKER und die Kostüme von Ellen HOFMANN konnten keinerlei Stimmung für eine Zauberwelt der Alcina auf einer Insel hervorrufen. Die ganze Handlung spielte sich in einem Zimmer mit Möbeln aus den fünfziger Jahren ab, keinerlei Zaubergarten der Alcina war zu sehen, während im 2.Teil der Oper offenbar die nackten Statisten im Publikum Stimmung hervorrufen sollten.
Offenbar konzentrierten sich die Regisseurin mit ihrem Team mehr auf die großartigen Stimmen der Sänger, die das Ganze glücklicherweise retten konnten, und die auch am Ende (viele verließen schon bei Pausenbeginn das Theater) mit einem tosenden Beifall des Publikums für ihre großartige Gesangsleistung belohnt wurden, einschließlich des Dirigenten Stefano MONTANARI mit BAROCKORCHERSTER, der sich gerade bei dieser Oper mit einer Bestsänger-Führung während des ganzen Abends auszeichnete.
Die Rolle der Alcina sang mit hervorragender Technik für die Musik des Barocks Jeanine DE BIQUE, ihr zur Seite John HOLIDAY als Ruggiero, ein Countertenor der Extraklasse, Morgana war Elsa BENOIT, eine lang vermißte Stimme an der Bayerischen Staatsoper. Auch Avery AMEREAU als Bradamante und Carine TINNEY als Oberto konnten in ihren Partien voll überzeugen. Die einzigen männlichen Stimmen wie Julian PRÉGARIDIEN als Oronto und Gerrit IILLENBERGER als Melisso ragten aus der Damenriege mit Bravour hervor.
Obwohl am Ende das Publikum begeistert applaudierte, vermutlich kam der stürmische Applaus nur für die Sänger, ging man wieder unerfüllt und enttäuscht in den Abend. Warum kann man die wundervolle Komposition von Georg Friedrich Händel nicht in eine ordentliche der Handlung entsprechende Inszenierung einbinden?
ISt