„Lucia di Lammermoor“ – 25. Mai 2016

Mit einer einfühlsamen Dirigathand für Belcanto führte Oksana LYNIV das BAYERISCHE STAATSORCHESTER durch den Abend, und gab den beiden Hauptprotagonisten eine starke Stütze bei ihren Hausdebüts an der Bayerischen Staatsoper, zumal diese durchdachte Inszenierung von Barbara WYSOKA – die Kombination Macht und Liebe, deren Opfer die arme Lucia wurde, konnte sie hier gut herausarbeiten – nicht alltäglich auf anderen Bühnen zu finden ist.

Frau Wysoka verlegte die Handlung in die Jetztzeit der fünfziger Jahre (Bühne Barbara HANICKA – Kostüme Julia KORNACKA), bei der auch das obligatorische Auto, in dem Edgardo offenbar auch wohnte (3. Akt) nicht fehlen durfte, das aber zudem auch nicht in den Szenen in geschlossenen Räumen störend wirke. Oder hat man sich an diese eigenartigen Inszenierungsideen schon gewöhnt? So wird auch das Tötungsmesser im Libretto von Lucia und Edgardo durch eine Pistole ausgetauscht, ja so sehen meist moderne zeitgerechte Inszenierungsauffassungen ja aus.

Da Pavol Breslik, für die Rolle des Edgardo vorgesehen, für diesen Abend wegen Krankheit absagte, holte man sich Piero PRETTI, eine Tenorstimme zum Aufhorchen, die bereits internationale Erfolge aufweisen konnte, und die sich nicht nur bestens in die Inszenierung einfügte, sondern auch dazu noch mit ausgezeichneten Belcanto-Tenorhöhen dieses Hausdebüt hervorragend meisterte. In der Titelpartie trat ebenfalls zum ersten Mal am Haus Nina MINASYAN auf, eine Sopranistin mit ausgefeilten mühelos erreichten Koloraturhöhen. Die Wahnsinnsarie der Lucia sang sie innig, ausdrucksbetont und höhensicher tongleich mit der Glasharmonika (Sascha RECKERT), eine Bestleistung.

Luca SALSI als der despotische Bruder Enrico kam mit dessen kräftigen sonoren Bariton bestens auf die Bühne, der ermordete Lord Arturo fand in Philippe TALBOT eine gute Interpretation. Als priesterlicher Erzieher der Lucia Raimondo holte man sich diesesmals aus dem Ensemble der Bayerischen Staatsonper Goran JURIC, der seine Sache sehr gut machte, ebenso neu im Ensemble die beiden Interpreten der Alisa von Rachel WILSON und in der Intrigantenrolle des Normanno Dean POWER. Beide sangen ihren Part ausreichend rollengerecht.

Der CHOR DER BAYERISCHEN STAATSOPER glänzte wieder einmal durch eine Besteinstudierung von Stellario FAGONE. STATISTERIE und KINDERSTATISTERIE – letztere stellte in einzelnen Szenen Lucia als Kind in einer stummen, aber von einem sehr begabten Mädchen sehr gut dargestellt- auf die Bühne, und ANDERGRAND MEDIA + SPEKTAKLE zeigte sich gut verantwortlich für die eingespielten Videos.

Gaetano Donizetti nebst Librettist Salvadore Cammarano hätten an diesem Belcanto-Abend ihre Freude gehabt, so auch das Münchener Opernpublikum, das den Künstlern durch frenetischen Schlußbeifall dankte.
I.St.