„Il Viaggio a Reims“- -24. Oktober 2026

Dieses kaum an deutschen Bühnen aufgeführte kleine Meisterwerk des großen Maestro des Belcanto, das große Arien für bestdisponierte Sänger verlangt, fand im Staatstheater am Gärtnerplatz endlich mit außergewöhnlichen guten Regie-Gedanken und hervorragender musikalischer Interpretation seine Würdigung.

Man kann sonst dieses musikalische Kleinod nur bei einem Badeurlaub in Pesaro hören und sehen, das dort fast an jedem Sonntag infolge einer Matinee während der dortigen Festspiele aufgeführt wird durch die Accademia Rossiniana, gegründet von Alberto Zedda, wo sich bereits arrivierte Gesangssolisten zur Weiterbildung mit Rossini-Kompositionen einer Vervollkommnung unterziehen müssen und deren Interpretationskönnen sie in dieser Aufführung vorstellen können.

Hier aber, im Staatstheater an Gärtnerplatz, stellten sich in vollendeter Disposition fast alle Ensemblemitglieder vor, man kann deren Darstellungs- und Gesangsinterpretation nur als perfekt bezeichnen. Geführt durch den ganzen Abend wurden sie durch das hervorragende Rossini-Dirigat von Enrico LOMBARDI, der sich bei Rossini unwahrscheinlich wohlzufühlen schien und dadurch auch eine perfekte Sängerführung präsentieren konnte.

Die Regie von Dirk SCHMEDING paßte sich in jeder Hinsicht der seltsamen Handlung an, die in einem Hotel alle politischen Vertreter der europäischen Nationen versammelte, um zur Krönung Charles X. nach Frankreich zu reisen, was aber durch viele Zwischenfälle dort immer wieder verhindert wurde, und was letztendlich zum Verweilen aller in diesem Hotel führte. Dafür sangen sie aber am Ende der Oper alle ihre Nationalhymnen in italienischer Sprache, als sie erfuhren, daß die Krönung bereits stattgefunden hat, ein herrlicher Regie-Einfall von Dirk Schmeding.

Die Bühne von Robert SCHWEER und die Kostüme von Britta LEONHARDT waren teils modern und auch der Zeit des vorigen Jahrhunderts angepaßt, was zur Abrundung dieses geglückten Abends führte, ebenso war die Choreografie von Kerstin RIED im Kurhotel „Zur goldenen Lilie“, in dem die Handlung hier spielt, perfekt der Handlung angepaßt, wo sich hervorragende Tänzer des BALLETTS DES STAATSTHEATERS vorstellen konnten. Pietro NUMICO sorgte wieder für eine sehr gute Chorleistung.

Alle nun aufgeführten Singschauspieler des Staatstheaters am Gärtnerplatz waren nicht nur in perfekter Gesangsdisposition auf der Bühne, sondern konnten sich voll in der Darstellung ihrer Rollen vorstellen. In der Reihenfolge des Programmzettels glänzte Réka KRISTOF als umschwärmte, im Versteck befindliche Corinna, Anna AGATHANOS war in der Rolle der Marchesa Melibea eine Bestbesetzung. Andreja ZIDARIC als modewütige Comtesse Folleville stach in ihrer Auftrittsarie mit begeisternden außergewöhnlichen Koloraturen hervor, Jennifer O’LOUGHLIN als Wirtin Madame Corthese konnte sich wie stets gut präsentieren.

Als Chevalier Belfiore stellte sich eine neue Tenorstimme am Haus vor, nämlich Andrés AGUDELO, der sich in perfekter tenoraler Stimmposition befand. Gewohnt perfekt auf der Bühne war Gyula RAB als Graf Libenskof, ebenso Timos SIRLANTZIS als Don Profondo. Matja MEIC als Don Alvaro könnte nicht besser besetz sein, ebenso Levente PÁLL als Baron Trombonok. Eine besondere humoristische Studie gelang Ludwig MITTELHAMMER als Lord Sidney, ausgestattet mit einer Querflöte beglückte er seine Angebetete Corinna, gesanglich wie immer bestdisponiert.

Don Prudenzio, als ärztlich erfahrener Hotelgast, wurde von Lukas Enoch LEMCKE sehr gut interpretiert, während Christopher WILLOUGHBY als Don Luigiono seine Rolle gut auf die Bühne brachte. Weitere Ensemblemitglieder wie Anna TETRUASHVILI als Maddalena, Tamara OBERMAYR als Modestina, Gregor REINHOLD als Zelfino-Gelsomino und als Antonio Juho STÉN fügten sich bestens ein.

Freunde einer guten Regie und einer perfekten musikalischen Interpretation werden sicher dieses Kleinod am Staatstheater am Gärtnerplatz desöfteren besuchen. I.St.