„La Traviata“ – 22. Mai 2026

Es war ein Triumph der Sänger und des Dirigenten, was den Künstlern das Publikum mit stehendem frenetischem Beifall am Ende dankte.

Da die Handlung einer wahren Begebenheit entnommen ist, wie sich aus dem äusserst informativen Programmheft ergibt, und die sich der Librettist Francesco Maria Piave zu eigen machte, der das Libretto nach dem einstmals erfolgreichen Schauspiel von Alexandre Dumas „Die Kameliendame“ verfaßte und das Giuseppe Verdi meisterhaft vertonte, kann man hier auch noch von einer doch gelungenen Regie von Isabel OSTERMANN sprechen. Sie stellte Violetta Valéry schon gleich zu Beginn als Todkranke nach dem Präludium vor mit dem Ruf „piu tardi“, zu spät, die sich in Lebenslust begab und die Liebe infolge zu Alfredo ihrem gesundheitlichen Aufschwung versprach.

Die Bühnengestaltung hatte Stephan von WEDEL inne, der die ländliche Idylle des 2. Akts doch etwas überzogen auf die Bühne brachte, auch konnte dieses Mal Alfred MAYERHOFER mit den Kostümen nicht so recht punkten, zu Beginn der Oper traditionell, aber ab dem 2. Akt waren sie der Jetztzeit angepaßt, vor allen Dingen ließ er Violetta in dem gleichen Kostüm sterben, das sie zuletzt auf dem Fest der Flora Bervoix getragen hatte.

Nun muß endlich auf die hervorragende Leistung der Sängergilde nebst Stabführung eingegangen werden. Ruben DUBROVSKY zeigt immer wieder, daß er ein Meister des Dirigats ist und mit Recht zu den führenden Dirigenten der Opernbühnen zählen darf, einfühlsam und durchdacht führte er das ORCHESTER DES STAATSTHEATERs durch den Abend, vor allem konnte er die Sängergilde perfekt führen, so daß diese, und dies nicht nur zu dieser eingangs erwähnten, Höchstleistung kamen.

Allen voran natürlich Jennifer O’LOUGHLIN als Violetta Valery, deren Koloraturen immer ausgefeilter werden und deren Höhe immer besser ausgearbeitet erklingt, sie ist auch darstellerisch dieser Rolle sehr nahe. Neben ihr in tenoraler Höchstform Matteo Ivan RAŠIĆ, der meines Erachtens vor einer tenoralen Weltkarriere steht. Hier stellt er nicht nur die Idealfigur eines Alfredo dar, sondern zeigt all sein tenorales Können in kaum zu übertreffenden ausgefeilten Nuancen.

Matja MEIĆ war als Giorgio Germont auf der Bühne mit sehr gutem und warmen Baritontönen und wurde dadurch zur Idealdarstellung dieser Vaterfigur. Im übrigen muß hier gerade bei ihm der Maske ein großes Lob gezollt werden. Bei jeder Aufführung leistet sie Ungewöhnliches, gerade hier, bei dieser Aufführung. Als Flora Bervoix war Anna TETRUASHVILI als Bestbesetzung auf der Bühne, während Anna AGATHANOS als Anina eine außergewöhnliche Bühnenpräsenz zeigte.

Juan Carlos FALCÓN als Vicomte Gastone war sehr gut besetzt, ebenso Thomas MCGOWAN als Baron Douphol, ebenso Juho STÉN als Marquis d’Obigny. Lukas Enoch EMCKE als Dr. Grenvil, in jedem Fest bühnenpräsent als Arzt der Violetta, war wie immer eine Bestbesetzung seiner Partien, wenn auch hier nicht groß.Die übrigen kleinen Partien wie Giuseppe (Algin ÖCZCAN), Aran MATSUDA als Diener und Robson Bueno TAVARES waren ausreichend besetzt, ebenso das gesamte Matadori-Ensemble.

Der CHOR des Staatstheaters war wie immer in Besteinstudierung von Pietro NUMICO auf der Bühne.

Es ist noch anzumerken, daß Frau Ostermann – wie schon erwähnt – gerade den kleineren, doch wichtigen Partien bei ihrer Inszenierung große Aufmerksamkeit widmete, was angenehm überraschte.

Ein unvergeßlicher Abend der Musikkunst am Staatstheater am Gärtnerplatz. I.St.