„Fidelio“ – 15. Juli 2026

Yoel GAMZOU, der Dirigent an diesem Abend, fühlte sich zu Beginn bei Ludwig van Beethoven nicht ganz wohl, ohne Empathie dirigierte er das ORCHESTER DER BAYERISCHEN STAATSOPER – man wählte für diese Inszenierung die Ouvertüre III- was ihm der sonst übliche Beifall des Publikums danach nur gemäßigt dankte. Er konnte sich erst gegen Ende der Oper steigern, aber der tolle Schlußbeifall für ihn des Publikums war trotzdem nicht ganz verständlich.

Vielleicht kam er wie wir – das Publikum –mit der unverständlichen Inszenierung von Calixto BIETO – nicht zurecht. Diese irre Inszenierung, die das handlungsgemäße Gefängnis in Form von Metall-Glas-Zellen, in welchen sich die Protagonisten mit Akrobaten im Gefolge am Seil des oberen Teils ständig schon während der Ouvertüre bewegen mußten, hält sich unverständlicherweise immer noch an der Bayerischen Staatsoper – Premiere war bereits am 21. Dezember 2010. Gefangene (Chor mit Statisten) und Hauptprotagonisten kletterten während des ganzen Abends ständig von Zelle zu Zelle – vermutlich wollte Herr Bieto durch die Enge der jeweiligen Zellen den Freiheitsgedanken der Oper aufzeigen, was aber nur zu negativer Beurteilung seiner Arbeit führen kann. Bühne und Kostüme stammen von Rebecca RINGST und Ingo KRÜGER, leider hatten diese beiden bei diesem Bühnenbild und den Kostümen aus der Kleidersammlung wenig Ideen zu entwickeln.

Sehr zu bewundern sind die akrobatischen Leistungen des BAYERISCHEN STAATSBALLETSs (choreographische Mitarbeit Heidi AEMISEGGER) und natürlich der CHOR DER BAYERISCHEN STAATSOPER unter Franz OBERMAIR, der wieder unter Besteinstudierung auftrat.

Schon die erste Szene zwischen Marzelline und Jacqino mußte sehr bewegliche und sportliche Sänger aufzeigen, was hier Mirjam MESAK und Samuel STOPFORD bestens, auch stimmlich, gelungen ist.

Das Libretto stammt im übrigen von Joseph Sonnleitner mit Revisionen von Georg Friedrich Treitschke, wobei diese Produktion der Bayerischen Staatsoper auf einer „Fidelio“-Fassung von 1814 basiert. Leonore- hier in einer stimmlichen Bestleistung Camilla NYLUND während der ganzen Folge des Geschehens – trat zunächst mit einem Sprechtext, wohl den Freiheitsgedanken aufzeigend, auf, während sie sich später dann auf offener Bühne in einen Mann handlungsgerecht verkleidet präsentierte. Ihre große Arie der Leonore, auf die das Publikum bei einer Fidelio-Aufführung gespannt wartet, meistere routiniert und gekonnt Camilla Nylund.

Don Pizarro war Tomasz KONIECZNY, über dessen Darstellung und Gesangsinterpretation nicht mehr als „hervorragend“ zu rezensieren wäre, als er auf die Bühne kam, war endlich Leben auf der Bühne. Als Florestan kam endlich mal wieder Matthew POLENZANI zum Zug, man vermißte ihn schon seit Jahren an der Bayerischen Staatsoper, ein wenig hat sein Tenor jetzt schon nach all den Jahren gelitten, aber trotzdem darf man ihn noch zu den Weltklasse-Tenören zählen.

Ein glückliches Wiederhören und -sehen gab es auch durch René PAPE als Rocco, sehr guten Zugang fand er zu seiner Vaterrolle. Die Rollen des 1. und 2. Gefangenen lagen in den besten Händen von Tansel AKZEYBEK und Pawel HORODOSKY. Am musikalisch Beeindruckendsten erklang aus schwindelnder Höhe Beethovens Streichquartett op. 132 a-moll, Molto adagio gekürzt, meisterhaft interpretiert durch SoYoung KIM, Martin KLEPPER, Tilo WIDEMEYER und Benedikt Don STROHMEIER.

Mit großer Vorfreude auf endlich wieder Beethoven ging so mancher an diesem Abend in die Staatsoper, und mit großer Enttäuschung verließ er diese nach Ende der Vorstellung wieder. Viele bravi für die großartigen Sänger, aber für die Regie? I.St.