Während der diesjährigen Opernfestspiele kam endlich wieder einmal eine opera buffa des großen Mastro des anfänglichen Belcanto Gioacchino Rossini zur Aufführung.
Dieses vertonte Märchen, Libretto von Jacopo Ferreti, richtet sich im Prinzip nach dem bekannten Märchen „Aschenputtel“, das mit großem Erfolg im Jahre 1709 uraufgeführt wurde, für dessen Vertonung sich Rossini interessierte und das sich glücklicherweise neben sehr vielen Kompositionen des Maestros bis heute erhalten hat.
Diese Inszenierung von dem unvergessenen Jean-Pierre PONNELLE, der einstmals auch für Bühnenbild und Kostüme bestens sorgte (Uraufführung war am 25. Januar 1817 – in München zuletzt in dieser Inszenierung von Ponnelle am 20. Dezember 1980 – 1961 mit den immer noch in Erinnerung befindlichen Interpreten Erika Köth und Fritz Wunderlich) hält sich glücklicherweise immer noch an der Bayerischen Staatsoper, da das Publikum und gerade die Kinder (letztere zur Einführung in die Opernwelt) sich in dieser Inszenierung einfach wohlfühlen und man den stressigen Alltag dadurch vergessen kann.
Rossinis Musik lag auch diesesmal in den besten Händen von Antonio FOGLIANI, der schon bei der Ouvertüre mit Rossini-sicherer Hand das Publikum in die Märchenwelt Rossinis entführen konnte und dabei auch noch eine glückliche Hand bei der Sängerführung aufzeigte. Schon zu Beginn stellte sich der MÄNNERCHOR DER BAYERISCHEN STAATSOPER unter der hervorragenden Einstudierung von Franz OBERMAIR vor, wobei sich die Herren des Chors auch noch als Schauspieler betätigen konnten, in den einzelnen Chorszenen umwerfend belustigend.
Aus der Sängerriege stellte sich dieses Mal René BARBERA als Don Ramiro vor, eine Tenor-Stimme, die voll auf Rossini ausgerichtet ist, perfekt geschult, leider kamen manche Töne, gerade in der Höhe, etwas leise herüber, seine Darstellung des verliebten Prinzen könnte er besser ausarbeiten. Sehr gut gefiel in dieser Rolle als Dandini Konstantin KRIMMEL, er war an diesem Abend in bester Stimmposition und konnte sich auch in der Darstellung bestens präsentieren.
Der absolute Renner des Abends war stimmlich wie darstellerisch Misha KIRIA als Don Magnifico, er feilt seine Rollen, die er singt, immer mehr aus und fühlt sich gerade in Rossini-Partien besonders wohl. Die Rollen der beiden heiratswütigen Töchter Clorinda und Tisbe wurden von Narea SON und Emily SIERRA gekonnt und stimmlich perfekt interpretiert und sorgten in der Darstellung für viel Belustigung im Publikum.
Isabel LEONARD als Cenerentola (Angelina) konnte sich dem Publikum bestens vorstellen, einen glockenreinen Mezzo und eine rollengerechte Darstellung machte sie gleich von Anfang an zu einem Publikumsliebling, besonders in der Schlußarie konnte sie weiter sehr gut punkten.
Als Alidoro war dieses mal sehr gut in Bühnenpräsenz und stimmlicher Perfektion Erwin SCHROTT auf der Bühne, den Drahtzieher des Handlungsgeschehens konnte er besonders gut in seiner großen Arie des 2. Akts gekonnt und perfekt gesungen vorstellen. Das Hammerklavier konnte nicht besser als durch Tackyoung CHUNG bedient werden.
Hier ging man erfüllt und beglückt nach dem frenetischen Beifall des Publikums in den Abend.
Warum gibt es an unserem Opernhaus nicht mehr von solch hervorragenden Inszenierungen? Vor allem fehlt mehr Rossini an unserem Opernhaus. Manche nehmen die weite Reise nach Pesaro auf sich, um dort Rossin in all seinen Werken, ob opera seria oder buffa, an Ort und Stelle seiner Geburt zu erleben. Man würde sich über mehr Rossini an unserem Opernhaus, vor allem aber auch um bessere Inszenierungen, sehr freuen. I.St.