Über diese merkwürdige Inszenierung dieses unvergleichlich melodischen Werks des großen Giuseppe Verdi mit dem Libretto von Salvatore Cammerano ist seit der Premiere am 27. Juni 2013 schon viel Negatives geschrieben worden.
Leider hat sich bis heute daran nichts verändert. Was sich wohl der Regisseur Oliver PY mit Bühnenbildner und Kostümentwurf von Pierre-André WEITZ sich dabei gedacht haben mag, dieses unvergleichliche Werk Giuseppe Verdis so bizarr und fürs Publikum unverständlich auf die Bühne zu bringen? Man braucht hier nur die Stimmen des Publikums in der Pause zu hören, die sich über die Unverständlichkeit dieser Inszenierung äußerten. Was hat eigentlich eine gynäkologische Untersuchung in der Drehbühne zu suchen? Und eine erblindete Leonora kann man im Libretto auch nicht finden.
Das Stück spielt im übrigen im Mittelalter Spaniens, wo der Kampf um Aragoniens Krone zum Inhalt des Librettos wurde und letzendlich zum Brudermord führte. Deshalb wird das Bühnenbild, wo viel Technik verwendet ist (Drehräder, wohl Schicksalsräder usw.) und die Kostüme in der Jetztzeit im Verlauf der Aufführung immer unverständlicher.
Somit liegt der „Trovatore“ in dieser Form nur in den Händen der Künstler, die an diesem Abend in Bestdisposition auf der Bühne standen, allen voran Piotr BECZALA in der Titelpartie, die Stretta konnte nicht besser interpretiert werden, zumal KS Beczala während des ganzen Abends ohnehin in gesanglicher tenoraler Höchstform seine Partie verkörperte, hier stand ein Weltklasse-Tenor auf der Bühne, noch dazu gelang ihm auch eine gut ausgearbeitete Darstellung dieses unglücklichen Manrico. Als seine „blinde“ Geliebte Leonora war in sehr guter Disposition Rachel WILLIS-SORENSEN mit bestgesungenen piani auf der Bühne.
Dazu gesellte sich in bester gesanglicher Interpretation Judit KUTASI als Azucena dazu, deren Partie ja als Drahtzieherin der Schicksale der handelnden Personen gelten muß, wo es letztendlich zum Brudermord kam. Als Conte di Luna konnte sich Artur RUCINSKI mit einem ausdrucksbetonten Bariton dem Münchener Publikum vorstellen, darstellerisch ebenso bestens auf der Bühne.
Sehr gut führte sich gleich zu Beginn Alexander KÖPECZI als Ferrando mit seiner großen Erzählung „All‘erta“ in das Handlungsgeschehen ein. In der Rolle der Ines erlebte man Elene GVRITISHVILI aus dem Opernstudio der Bayerischen Staatsoper mit einer bestgeschulten Sopranstimme sowie in den kleineren weiteren Partien, sehr gut besetzt, Granit MUSLIU als Ruiz, Daniel VERING als alter Zigeuner und Michael BUTLER als Un messo.
Vor allem muß jetzt das ORCHESTER DER BAYERISCHEN STAATSOPER Erwähnung finden, das Andrea BATTISTONI mit großem Einfühlvermögen gerade in die Musik Giuseppe Verdis und bester Sängerführung durch den Abend führte. Ein großes Lob wieder einmal dem MÄNNERCHOR DER BAYERISCHEN STAATSOPER unter Christoph HEIL, wo man in dieser Interpretation den „Zigeunerchor“ noch lange im Ohr hat.
Leider war der Schlußbeifall für die großartige musikalisch–sängerische Leistung nicht ausreichend. Wahrscheinlich stand das Publikum unter Schock bezüglich der unverständlichen Inszenierung, und vermutlich werden sich manche daraus diese zum ersten und letzten Mal angesehen haben. So lag dieser hochkarätige Verdi-Abend ausschließlich in den bravourösen Händen der Künstler. I.St.