In Vorfreude und großem Interesse auf das Kommende fuhr der Opernclub München in mem. Franz Lachner 3 ½ Fahrstunden-lang in die kaiserliche Bäderstadt Bad Ischl, um sich ein langes – man möchte fast sagen jahrzehntelang nicht gehörtes -Werk von Franz von Suppé zu gönnen, was endlich wieder beim Lehár-Festival seine Würdigung fand.
Und es war eine Bestwürdigung für den Komponisten mit seinen Librettisten Friedrich Zell und Richard Genée, die dieses nach den „Erzählungen des Decamerone“ verfaßten, da ja letztendlich Boccaccio wirklich gelebt hat und eben diesen Decamerone – wie bekannt – verfaßt hat.
Dadurch konnte sich die Handlung der opernhaften Operette ganz dem Titelträger widmen, dessen Erzählungen im „Decamerone“ hier ihre Verwendung finden. Die Inszenierung von Thomas ENZINGER entsprach ganz der Zeit des 14. Jahrhundert und enthielt sehr gute Regie-Ideen wie manche Auftritte der Künstler mitten ins Publikum zu legen, was das Ganze sehr unterhaltsam prägte. Auch das Bühnenbild von Stefan WIEL und die Kostüme von Sven BINDSEIL entsprachen der Zeit des Mittelalters im Florenz des 14. Jahrhunderts. Das Libretto hier allerdings endete mit der comedia del arte, die jedoch drei Jahrhunderte später stattfand.
Die musikalische Leitung hatte Christoph HUBER inne, der best herausgearbeitet, die Musik des Komponisten mit dem LEHÁR-ORCHESTER zum Publikum brachte und der auch eine sehr gute Sängerführung aufweisen konnte. Was nun allerdings das immerwährende Wechselspiel der Krone, die von Sänger zu Sänger während der Aufführung wanderte (im Programmheft Erzählkönig bzw. -königin) bedeuten sollte, war leider nicht zu ergründen.
Da das Werk auch sehr viele Tanzszenen enthält, kann man nur Bestes über die Choreographie von Lukas RUZICZKA sprechen, der das TANZENSEMBLE hervorragend in das Handlungsgeschehen einbinden konnte. Der CHOR DES LEHÁR-FESTIVALS kam besteinstudiert von Matthias SCHOBERWALTER zum Publikum.
Alle Gesangsinterpreten für dieses so selten gespielte Werk waren hervorragend ausgewählt, vor allem war Christina SIDAK in der Titelrolle ein großer Gewinn, ihr hervorragend geschulter Mezzo und ihre Darstellung dieser Hosenrolle konnte in keiner besseren Perfektion auf die Bühne gebracht werden. Ebenso sorgten stimmlich wie darstellerisch zwei Ehepaare wie der Fassbinder Lotteringhi mit Gattin Isabella und der Barbier Lambertucco mit Gattin Peronella für viel Stimmung im Publikum. Beide Herren – Gerd VOGEL als Lotteringhi und Hans GRÖNING als Lambertuccio werden wohl in jeder Aufführung den Vogel abschießen, besonders Hans Gröning mit seinen Couplets gleich nach der Pause, die Ehefrauen der beiden Domenica RADLMAIER und Miriam PORTMANN fügten sich gut ein.
Als Fiametta, die Liebe des Titelträgers, konnte sich Maria LADURNER stimmlich wie darstellerisch gut in das großartige Ensemble einfügen – besonders bemerkenswert „Hab ich nur Deine Liebe“ von beiden Interpreten gesungen, entpuppte sich als musikalischer Renner. In den weiteren Partien des Pietro (Martin LECHLEITNER), des Studenten Leonetto (Philip GUIROLA PAGAMINI), des Mönchs (Nikola BASTA) und des Ausrufers (Joan TOMA) traten hervorragende Gesangsdarsteller auf.
Nach diesem vollendet musikalischen Erlebnis in Österreich fuhr man, zwar mit einem Unwetter dort, zufrieden und erfüllt nach München zurück. ISt