Ein frühe Verdi-Oper – Musik voller Verve und cabalettenstrotzend hält Vieles aus. Selbst die merkwürdigsten Deutungsversuche und/oder sinnbefreiteste Chorregie können nicht an der Oberfläche kratzen, so man denn eine über weite Strecke gute Sängerriege auf der Bühne stehen hat.
In dieser Hamburger Serie stand Elbenita KAJTAZI als grandios singende und spielende Luisa im Mittelpunkt der Produktion. Die emotionale Achterbahnfahrt der Figur wurde mit so viel Gespür für die jeweilige Situation gesungen, daß man unwillkürlich vom Schicksal der jungen Frau in den Bann gezogen wurde, und diese Emotionalität lange nachhielt.
In der Rolle ihres Vaters verstand es Pavel YANKOVSKY, das Herz der Zuhörer gleichermaßen zu berühren. Millers Arie und Cabaletta hört man recht früh im Stück, aber der Bariton ruhte sich nicht auf der zurecht begeistert akklamierten Leistung aus, sondern lieferte von Anfang bis Ende ein pointiertes Rollenporträt, das man sich auch noch weitere vier oder fünf Vorstellungen hätte anhören mögen.
Alexander ROSLAVETS Wurm war ein Musterbeispiel an Intrigantentum gepaart mit fulminantem Gesang. Die Dynamik des Basses und seine Fähigkeit, nicht nur mühelos aufzutrumpfen, sondern auch Ausdruck in den leisesten Ton zu legen, legten den Grundstein für ein so gelungenes Rollenporträt. Die Szene zwischen ihm und Luisa im zweiten Akt war an jedem Abend der Serie ein Hochgenuß.
Auch Kristina STANEK lieferte ein stimmliches Feuerwerk. Ihre Federica war jeder Zoll königlich in Haltung und Ausdruck. In ihrem überdimensionierten Reifrock fegte sie über die Bühne, als würde sie tagtäglich nichts anderes tun. Gesanglich stand sie ihrer Kollegin in der Titelpartie in nichts nach.
Gábor BRETZ hatte man so ganz anders in Erinnerung. Sein Conte di Walter wirkte ungewohnt schwerfällig und stimmlich irgendwie müde.
Hovhannes AYVAZYAN erinnerte fatal an die Tenöre, die man häufig in den 90er und Anfang der 2000er Jahre in Hamburg zu hören bekommen hatte. Sein Rodolfo klang über weite Strecken zu laut und undifferenziert, um Sympathien für die Figur bei mir zu wecken.
Nicht nur aus diesen Gründen, sondern insbesondere aufgrund seiner und der natürlichen Bühnenpräsenz war Colin AIKINS (Un Contadino) der beste Tenor auf der Bühne und gefiel bei der Erstbegegnung in dieser Serie generell sehr gut. Auch Mariana POLTORAK als Laura wußte zu überzeugen.
Der CHOR (Leitung: Alice MEREGAGLIA) hatte einiges an Choreografien und Regieideen zu bewältigen, bot aber trotzdem eine sehr gute Ensembleleistung.
Das PHILHARMONISCHE STAATSORCHESTER und Henrik NÁNÁSI am Pult hatten erst in dieser letzten Vorstellung so richtig zueinandergefunden. Nun stimmten Tempi und Harmonie auch im Graben.
Die Inszenierung (Andreas HOMOKI) wirkte ein wenig wie die Fortführung der „U-Bahn des Todes“ am Ende der letzten Hamburger „Macbeth“-Produktion im größeren Stil und konnte nur mit dem letzten Bild wirklich begeistern. Für das Bühnenbild der hin und her gefahrenen Räume zeichnete Paul ZOLLER verantwortlich. Die stimmigen Kostüme entwarf Gideon DAVEY, und die durchaus stimmige Lichtregie stammt von Franck EVIN. AHS