An der Deutschen Oper Berlin ist der Lichtschalter für die Beleuchtung der Bühne kaputt. Oder ist das vielleicht schon eine Sparmaßnahme?
Die aktuelle Produktion von Verdis „La forza del destino“ wird jedenfalls den kompletten Abend über im Halbdunkel gespielt. Weshalb? Keine Ahnung. Daß man nicht spätestens nach der Pause sanft einschlummerte, war der musikalischen, nicht der szenischen Gestaltung des Abends zu verdanken.
Dies begann mit Massimo ZANETTI am Pult, der dem erneut tadellos spielenden ORCHESTER der DOB einen perfekten Verdiklang entlockte, dem Dirigat seinen eigenen Stempel aufdrückte, sich dabei aber in jeder Sekunde dem Werk in den Dienst stellte und dank einer perfekten Symbiose aus Bühne und Graben den Abend zu einem Vergnügen für die Ohren machte.
Auch der CHOR des Hauses befindet sich nach wie vor in einem ausgesprochen grandiosen Zustand. Da wackelte nicht ein Ton und nicht für eine Sekunde fiel man auseinander. Bewundernswert war neben dieser stimmlichen Harmonie auch die pure Klangschönheit. Der neue Chordirektor Marco MEDVED hat hier definitiv einen hervorragenden ersten Eindruck hinterlassen.
Guanqun YU sang Leonora mit viel Verve. Daß sie die Partie technisch bewältigt, stand außer Frage. Überraschend war ihre Hingabe an die Rolle, die sich an diesem Abend in einer von Enthusiasmus und Emotionen geprägten Darbietung zeigte und in einem atemberaubend gesungenen „Pace, pace, mio Dio“ ihren Höhepunkt fand.
Eine interessante Tenor-Erstbegegnung bot Luciano GANCI. Man hörte und sah von ihm alles, was man sich von einem guten Alvaro wünscht: Überschwang, Dramatik, aber auch die leisen, gefühlvollen Momente. Seine nuancenreiche Stimme überzeugte mit ihrem klaren, sauberen Klang. Wünschenswert wäre vielleicht, wenn er sich seine Kraft für „O tu che in seno agli angeli“ etwas besser einteilen würde.
Pavel YANKOVSKY brilliert auch als Carlos di Vargas. Obwohl eine weitere Steigerung nach den Auftritten in Hamburg und Berlin überraschte, war dies sein bisher vielschichtigstes Rollenporträt – ganz ohne übertriebene Effekte, perfektioniert allein durch Modulation und klug gesetzte Akzente sowie ein ausgefeiltes Charakterbild. Die Bandbreite an Emotionen der Figur und der unterschwellig stets präsente Rachegedanke kamen so darstellerisch wie stimmlich meisterhaft zur Geltung.
Mit einem Feuerwerk an Energie und Wohlklang stand Kristina STANEK ihren Kollegen in der stimmlichen Präsentation in nichts nach. Ihrer Preziosilla nahm man das Talent zur Verlockung der Massen und eine geschickt eingesetzte Gerissenheit problemlos ab.
Vitalij KOWALJOW brachte einen salbungsvollen, aber durchaus in der Wirklichkeit verhafteten Pater Guardian, dem nichts Menschliches fremd schien, auf die Bühne. Daß Artur GARBAS‘ Melitone ein wenig überzogen wirkte, liegt im persönlichen Geschmack begründet. Seine Darbietung war strikt rollenkonform und stimmlich ohne Tadel.
Die DOB zeichnet sich aktuell insbesondere durch die exzellenten Sänger in den kleineren und Kleinstpartien aus. Michael J. SCOTT behauptete sich als Trabuco problemlos neben den Kollegen in den größeren Rollen. Padraic ROWAN sang einen wohlklingenden Alkalde (Kudos für Tom Nicholson, der die Partie in der ersten Aufführung perfekt gestaltete). Tobias KEHRER hätte man aufgrund seiner warmtönenden Stimme gern länger gehört als nur für den Kurzauftritt als Marchese di Calatrava. Gleiches gilt für Byung Gil KIM (Feldarzt) oder Lauryn DAVIS (Curra).
Es scheint, dass die DOB in Sachen ganz große Oper aktuell der Berliner „place to be“ ist. AHS