„Don Giovanni“ – 19. September 2026

Mann, war das langweilig! Oder auch, wenn Don Ottavio und Donna Anna nicht so gut gewesen wären, könnte man diesen Abend getrost vollkommen vergessen.

Das fängt an bei der unsäglichen Inszenierung, die so bar jeder Stimmung, jedes Timings und jeglichen Witzes ist. Ich habe keine Ahnung, welche Geschichte der Regisseur erzählen wollte, und ehrlich gesagt, interessiert es mich nach dem zweiten Besuch der Produktion auch nicht mehr.

Ich kann mich nicht erinnern, daß ich jemals ein so langweiliges Giovanni und Leporello-Duo erleben mußte wie Andrzej FILONCZYK und Krzysztof BACZYK, kein Charme, keine Ausstrahlung, eine Textbehandlung ohne Gefühl für Da Pontes Worte. Lauter richtige Töne zu singen, ist für diese Rollen einfach zu wenig. Der Kleidertausch funktionierte hier wahrscheinlich, weil beide Figuren so bar jeden Charismas waren.

Dazu kam Morris ROBINSON als Commendatore, der überhaupt nicht in der Lage war, die angsteinflößenden Töne zu produzieren, die das Finale benötigt, zumal hier der Vorhang schon nach Giovannis Höllenfahrt fiel und sich das Gefühl breitmachte „Und das war es jetzt?“

Etwas besser war es um Zerlina und Masetto bestellt, wobei man sowohl Kady EVANYSHYN als auch Hubert KOWALCZYK schon besser und vor allem stimmstärker gehört hat. Michèle LOSIER als Donna Elvira kämpfte bei „Mi tradi“ mit der Exaktheit der Koloraturen, darstellerisch setzte sie keine großen Aktzente.

Elbenita KAJTAZI als Donna Anna hingegen war einer der beiden Gründe, die Oper nicht in der Pause zu verlassen. Sie verfügt über eine bis in die Spitzentöne warme Stimme, da ist nichts schrilll, und alles klingt so unangestrengt, als sei es das einfachste der Welt, diese Rolle zu singen. Jede Emotion von der Trauer über den Tod des Vaters, über Rachegelüste bis zu Hin- und Hergerissenheit ihrer Gefühle, konnte sie glaubhaft über die Rampe bringen, wobei doch eigentlich in dieser Besetzung hätte klar sein müssen, wem ihr Herz gehört.

Dovlet NURGELDIYEV ist sicherlich einer, wenn nicht sogar der derzeit beste Ottavio, da sitzt alles, jede Phrase, jeder Ton, in jeder Lage stimmschön zum Atemanhalten. Und man kann nur bewundern, mit welcher Grandezza er die unsäglichen Kostüme (rosafarbener Anzug nebst in der Maskenszene Winnetou-Frisur aus Lametta) trägt, während er unangefochten mit kleinen Gesten große Präsenz erzeugen konnte. Es ist zu bedauern, daß man ihm nicht erlaubte, auch „Il mio tesoro“ zu singen, wie noch in der Premierenserie.

Offenbar wollte Omar Meir WELBER unbedingt größtenteils die Wiener Fassung der Oper auf die Bühne bringen (nur eine Ottavio-Arie, kein Finalsextett, etc). Warum ist unklar, insbesondere weil der Wechsel der Fassung nirgendwo angekündigt wird. Man sollte dann auch so konsequent sein, und das nie gehörte Leporello/Zerlina-Duett einfügen. Ach, so, ja, das wäre nicht gegangen, weil es dafür keine Inszenierung gab. Da stellt sich schon die grundsätzliche Frage, ob es eigentlich legitim ist, in einer bestehenden – und sei sie noch so schlecht – Inszenierung Szenen zu streichen, weil sie nicht zur eigenen präferierten Fassung passen.

Es ist zwar durchaus amüsant, wenn der Hamburger Generalmusikdirektor die Rezitative selbst begleitet und dabei auch noch improvisiert, allerdings führte das bei den nicht zum Ensemble gehörenden Sänger gelegentlich zu Verunsicherungen bei den Einsätzen. Das PHILHARMONISCHE STAATSORCHESTER spielte erneut fehlerfrei und animiert, dies ist man gerade über längere Zeiträume bis zum Beginn der jetzigen Intendanz nicht gewohnt gewesen. MK