Das Projekt Aria Alba – Opera for All ist interessant. Jeder der singen möchte, darf dort auf die Bühne und wird auch in größeren oder kleineren Rollen bzw. im Chor besetzt. Alle sind mit großem Engagement dabei, dem Publikum ein Opernerlebnis zu bieten. In der „I Pagliacci“-Vorstellung an diesem Doppelabend mit „Cavalleria Rusticana“ ging das sehr gut auf.
Jolanda GRIJPSTRA als Nedda, die ihre Bühnenfigur Columbina auch im echten Leben verinnerlicht zu haben scheint, bis sich ihr Temperament in ihrer Wut gegen Tonio und später in ihrer Leidenschaft für Silvio Bahn bricht, war echtes Besetzungsglück. Die Jugendlichkeit der Figur fand sich in der Stimme wieder, die nicht nur die notwendige Flexibilität für das „Vogellied“, sondern auch die dramatischen Momente der Rolle ohne jede Anstrengung meisterte.
John HAQUE verlieh Canios Eitelkeit eine natürliche Selbstverständlichkeit, und auch dessen Eifersucht trat ohne jede Übertreibung von Szene zu Szene deutlicher zutage. Mit seiner kraftvollen, aber nie überlaut eingesetzten Stimme gelang es dem Tenor vortrefflich, die Balance der Figur zwischen Künstler, Ehemann und Bühnenpersönlichkeit in Gesang und Darstellung zu spiegeln, bis der Zusammenbruch dieser wohlbalancierten Trennung zur Katastrophe führt.
Beide boten Operndrama par excellence und zogen jeden in der Stockbridge Church in ihren Bann.
Auch JOSEPH KELLY machte seine Sache ausgezeichnet, auch wenn ihm die Nervosität dieses Premierenabends hin und wieder anzumerken war. Sein Tonio verlor am Ende seine Boshaftigkeit, was durchaus als Schock über das Resultat seiner Intrige interpretiert werden konnte.
Hunter ROGERS, musikalisch sonst in etwas anderen Welten unterwegs, verlieh Silvio, stimmlich sehr opernwürdig, viel Leidenschaft, Verve und Präsenz, was der Figur jede Rechtfertigung als vierten Protagonisten verlieh.
Gill QUILLE sorgte für den einen oder anderen Lacher, freiwillig als Beppe sowie unfreiwillig, als sich ihr angeklebter Schnauzer selbständig machte (fun fact: sie zeichnete für Kostüme und Requisiten verantwortlich).
Der CHOR hatte schon durch Präsenz und Stimmschönheit einzelner Mitglieder, aber auch als Klangkörper insgesamt in der „Cav“ beeindruckt, hier kamen Spielfreude und individuelle Charaktere noch mehr zum Tragen.
Dirigentin Susanne GODET tat ihr Möglichstes ORCHESTER und Bühne zusammenzuhalten. Für die jungen Musiker bot der Abend eine steile Lernkurve.
Jake ZUALSKI Regie bot eine interessante Sichtweise, in dem er beide Stücke, an die italienischen Nachkriegsverfilmungen erinnernd, als s/w-Film auf die Bühne brachte, aber immer wieder mittels Farben Charaktere und Momente in den Vordergrund rückte. Auch seine Personen- und Chorregie erwies sich als gelungen.
Das Bühnenbild war in seiner Einfachheit gut händelbar, auch wenn man sich bei dem beidseitigen Einsatz verschiedener Elemente gewünscht hätte, daß es auch gestaltete Rückseiten gegeben hätte. Besondere Kudos gelten der Person, die während der Vorstellung unbeirrt und mit der größten Selbstverständlichkeit die Kulisse reparierte.
Es war einer jener Fringe-Abende, bei denen das Engagement und die Freude an der Sache der gesamten Kompagnie spürte. Daher sollen Kata FEITH (Production Manager), Jamie ROSS (Technical Director), Gill Quille (Costume + Props) und Carol BUTLER (Set + Prop Design), Max MCWHIRTLER (Accomponist), Belle MCGREGOR (Language Coach + Subtitles) sowie Betti IXKES (Poster Design) auf keinen Fall ungenannt bleiben. AHS