Leider mußte Piotr Beczala diese Vorstellung krankheitsbedingt absagen, das war für viele eine enorme Enttäuschung, haben sie sich doch die Karten an diesem Abend gerade deshalb erworben, um diesen Weltklasse-Tenor in der Hauptpartie zu erleben. Es gab im übrigen noch eine weitere Umbesetzung der Partie der Marguarite, nämlich wurde für diese Partie Nicole CAR anstelle von Aylin Peréz kurzfristig engagiert.
Für Piotr Beczala hatte man den chinesischen Tenor Long LONG ebenfalls kurzfristig gewinnen können, der wohl mit wenigen Proben davor diese große Partie mit Bravour meistern konnte. Besondere Aufmerksamkeit verdient die große Arie des Faust. Eine sehr gut geformte Tenorstimme mit besten Höhen, aber trotzdem vermißte man Piotr Beczala. Nicole Car als Marguerite konnte man nur danken, sie begeisterte mit ihrem best geschulten Sopran, besonders in den Höhen –gerade bei der Juwelenarie – das Publikum und konnte sich bis zum Ende der Oper noch steigern. Auch in der Darstellung konnte sie voll überzeugen.
In der Partie des Méphistoféles überzeugte voll Kyle KETELSEN, stimmlich wie darstellerisch konnte man wohl keinen Mangel finden, eine perfekte großartige bassistische Interpretation dieser teuflischen Partie. Sehr gut gefiel in der Rolle des Valentin Boris PINKHASOVICH, eine kräftige Baritonstimme stellte sich hier vor, die man sich gerne in größeren Rollen an der Bayrischen Staatsoper wünscht.
In der Rolle des Wagner war Andrew HAMILTON eine gute Wahl, während Emily SIERRA als Siebel wie immer voll überzeugen konnte. Als Marthe war Dsamilja KAISER für diese kleine Partie gut ausgewählt.
Da über diese Bestinszenierung von Lotte de BEER schon viel Gutes geschrieben wurde, die sich im übrigen auch ganz in die Welt von Goethes „Faust“ einlebte – Bühne von Christof HETZER, die passenden Kostüme stammten von Jorin van BEEK – mag nun auf die Bestleistung des BAYERISCHEN STAATSORCHESTERS unter dem Dirigat von Daniele RUSTIONI eingegangen werden. Daniele Rustioni gelang eine sichere, sich voll in die musikalische Welt von Charles Gounod eingelebte musikalische Interpretation mit sicherer Sängerführung, die gerade an diesem Abend der Einspringer nötig war. Wiederum eine Bestleistung gelang dem OPERNCHOR DER BAYERISCHEN STAATSOPER unter Christoph HEIL.
In solch Inszenierungen fühlen sich wohl alle wohl, Publikum wie Interpreten. Gerade diese Oper verlangt gute Regie-Gedanken (hier besonders erwähnenswert die Walpurgisnacht), vor Lotte de Beer kann man nur den Hut ziehen samt Christof Hetzer und Jorin van Beek. Johann Wolfgang von Goethe samt Charles Gounod wären voll zufrieden. I.St.