„Der Besuch der Alten Dame“ – 3. Juli 2026

Diesem den meisten Opernbesuchern kaum bekannte Werk von Gottfried von Eimem widmete sich mit außerordentlichem Einsatz in allen Bereichen einer Aufführungskunst das Staatstheater am Gärtnerplatz in München. Hier stimmte einfach alles, eine großartige Orchesterleistung nebst einer handlungsgerechten Regie bis hin zur Chorleistung nebst Bühnenbild und Kostümen.

Das Libretto des Stücks entspricht genau dem einstmals so erfolgreichen Werk von Friedrich Dürrenmatt, welches in München durch eine unvergeßliche Interpretation von Therese Giehse in der Hauptrolle als Schauspiel in den dortigen Kammerspielen zur Aufführung kam. Der Rache-Gedanke einer einstmals aus der Stadt Güllen Verjagten und als Milliardärin Zurückgekehrten, die der verarmten Heimatstadt viel Geld versprach, wenn man den Verursacher ihres Leidens tötet, wurde durch die besten Regie-Ideen von Nikolaus HABJAN ausgezeichnet wieder gegeben und herausgearbeitet.

So ließ Nikolaus Habjan in Form einer beweglichen Puppe diese in der Realität als „alte Dame“ zurückkehren, die Gesangspartie übernahm in bester Stimmposition Sophie RENNERT, immer auf der Bühne hinter der beweglichen Puppe, bestens bedient und zum Leben erweckt von Manuela LINSHALM. Bühne und Kostüme von Heike VOLLMER und Bernhard STEGBAUER konnten nicht besser das Milieu dieser „verkommenen“ Stadt Güllen aufzeigen.

Die musikalische Seite des Abends lag in den Händen von Michael BALKE, der durch seine Intensität bei der Stabführung das ORCHESTER DES STAATSTHEATERS AM GÄRTNERPLATZ voll im Griff hatte, da die Komposition von Gottfried von Einem doch sehr viel Einfühlvermögen in dessen Kompositionsgedanken erfordert, was Herrn Balke sehr gut gelang.

Man braucht auch hier einen sehr gut einstudierten Chor, besonders bei den vielen Massenszenen, was wiederum in den besten Händen von Pietro NUMICO lag. Schon zu Beginn der Oper zeigte der CHOR DES STAATSTHEATERS AM GÄRTNERPLATZ all sein Bestkönnen.

Da das Programmheft die Vielzahl der Auftretenden an diesem Abend in Besuchende und Besuchte unterteilt, muß zunächst noch einmal die hervorragende Gesangsleistung von Sophie Rennert erwähnt werden. Hier ragten besonders Caspar RIEGER und Juan Carlo FALCÓN als Koby und Loby humoristisch heraus sowie in den Statistenrollen Toby und Roby Dieter FERENGEL und Christoph MACK als entlassene Sträflinge.

Der schwarze Panther als Begleiter der Claire Zachanassian wurde von Angelo KONZETT in Form einer Puppe furchterregend zum Leben erweckt. Besonderes Augenmerk zu richten ist hier auf Norbert ERNST als Butler, der in einigen Soli bestens auf der Bühne stand.

Aus der Reihe der Besuchten können nun infolge der Vielzahl der Rollen nur einige Wenige herausgesucht werden, obwohl sie sich alle bestens in ihre Rolle einleben konnten. Hier allerdings schoß Ludwig MITTELHAMMER als Alfred Ill, das sog. Corpus delicti, den absoluten weiteren Vogel des Abends ab. Er scheint diese Rolle des früheren Liebhabers und unbewußten Vater eines Kindes mit Claire stimmlich wie darstellerisch aufzusaugen, besonders gefiel seine Bereitschaft getötet zu werden wegen seiner für seine verursachten Sünden bei Claire, um die Stadt finanziell zu retten, besonders bestens herausgearbeitet.

Eine weitere besondere Aufmerksamkeit ist auf Wolfgang ABLINGER-SPERRHACKE als Bürgermeister zu legen, der sich in der Darstellung und auch gesanglich in dieser seiner Rolle besonders wohlzufühlen schien. Der Pfarrer von Timos SIRLANTZIS und auch der Lehrer von Matja MEIC entsprachen ganz den Vorstellungen des Librettisten sowie auch in der Rolle des Dr.Nüßl Jeremy BOULTON. Levente PÁLL als Polizist hätte man sich gerne in einer größeren Partie gewünscht. In den Partien der Sonstigen fand man u. a. gut Holger OHLMANN.

Alles in allem wurde man an diesem Abend nicht enttäuscht, das Publikum ging wohl gerne mit, was der Schlußbeifall bewies. I.St.