Drei Dinge muß ich zu der Musical-Version von Frank Wildhorn und Jack Murphy vorwegschicken: Für mich ist jede Adaption des Romans von Alexandre Dumas nicht ernstzunehmen, die Haydée ignoriert. Jede Adaption, welche die Beziehung zwischen Dantès und Mercedes in den Mittelpunkt stellt, geht an der Aussage des Romans vorbei. Und für ein gut zweistündiges Stück ist die umfassende Rache, die Dantès an seinen Feinden nimmt, zu komplex.
Das Stück krankt genau an diesen drei Punkten. Hinzu kommt auch noch, daß es einfach zu viele unmotivierte Tanzszenen gibt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß versucht worden ist, auch musikalisch, ein zweites „Les Miserables“ zu schaffen, aber weder von der Musik, noch von den Texten diese Qualität erreicht.
Die Regie von Michael WALTHER bemüht sich, das Stück zu erzählen, schafft auch durchaus in dem Bühnenbild von Stefan RICKHOFF atmosphärischen Szenen mit passenden Kostümen von Uta MEENEN, aber kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, daß sowohl die Intrige gegen Dantès als auch dessen Rache jeweils genau einen Song bekommen. Ich weiß immer noch nicht, wieso eigentlich Villefort und Mondego gesellschaftlich erledigt sind, das ist nicht zu erkennen.
In der Titelrolle warf sich David ARNSPERGER mit Verve in die Rolle, sang ohne Fehl und Tadel die umfangreiche Partie, konnte allerdings vor der Pause mehr überzeugen als danach. Das Charisma, mit dem der Graf alle anderen in seinen Bann zieht, konnte er da nicht entwickeln. Mercedes (Vera LORENZ), die hier zur zweiten Hauptfigur wurde, klang dagegen vor der Pause absolut konventionell, während sie danach aufdrehte und eine eindringliche Studie einer unglücklichen Frau auf die Bühne stellte.
Die beste Leistung des Abends kam von Gregor DALAL, der sowohl mit großer Präsenz Staatsanwalt de Villefort auf die Bühne brachte als auch einen leicht hyperaktiven Abbé Faria. Von der Baritonstimme und der darstellerischen Kraft des Sängers hätte man gerne mehr gehört. Hingegen waren Sven BARKIN als Danglars und Ramon KAROLAN als Mondego nicht auf diesem Niveau.
Albert und Valentine blieben bei Chen-Han LIN und YIXUAN ZHU eher unterbelichtet. Das kann man über Erdmuthe KRIENER als Luisa Vampa (der Räuberhauptmann Luigi Vampa wird hier zur Piratenkapitänin) nicht sagen. Sie macht alles aus ihren beiden Songs und hätte eigentlich ein eigenes Stück verdient. Ihr Crewmitglied Jacopo, der zum treuen Gefolgsmann des Grafen wird, fiel durch die Verkörperung durch Enrique BERNARDO positiv auf.
Das SINFONIEORCHESTER MÜNSTER unter Gregor HANKE war streckenweise zu laut, was dazu führte, daß die Texte von der Bühne nicht mehr zu verstehen waren.
Der CHOR unter der Leitung Anton TREMMEL machte sowohl beim Singen als auch beim Tanzen (Choreographie Kati HEIDEBRECHT) eine gute Figur. MK