Der vielleicht wichtigste Merksatz im Theater, Kino, Literatur ist „Langweile niemals dein Publikum“. Das hat die Inszenierung von Martin DUNCAN ganz offenbar nicht beherzigt.
Diese besteht darin, daß sämtliche Figuren ständig auf irgendwelchen Sofas herumschweben, wobei sie Kostüme tragen, die ausschauen wie ein früher Technicolor-Orient-Hollywood-Film (Ausstattung ULTZ). Das Problematischte ist allerdings, daß bis auf einen einzigen Satz keiner der Figuren die Dialoge blieben.
Stattdessen erzählt eine zunächst verschleierte Dame die Geschichte. Gonca de HAAS macht das gut, sie hat mit Sicherheit die einzelnen Buhrufe nicht verdient. Nur leider sorgt diese Regieidee dafür, daß zwischen den Personen auf der Bühne absolut keine Beziehung entstehen kann. Man wähnt sich manchmal in einer konzertanten Aufführung mit merkwürdiger Ausstattung, während im Hintergrund gelegentlich Zeichnungen zu sehen sind (Julia HEINZE).
Einen einzigen Augenblick gibt es, wo man sieht, was hätte sein können. Wenn Belmonte und Pedrillo zu „Im Mohrenland gefangen“ eines der Sofas zu einem Boot umfunktioniert haben, das Meer durch Seifenblasen symbolisiert wird, und Konstanze und Blonde sich an Bändern aus dem Schnürboden herablassen (gedoubelt von Trudi ALBERT und Claudia ELLER), entsteht für wenige Minuten echter Theaterzauber.
Musikalisch hingegen ist der Abend von sehr hoher Qualität. Da ist allen voran Regula MÜHLEMANN (als Konstanze aussehend wie Maureen O’Hara) mit tiefempfundenen Phrasierungen, absolut höhensicheren Koloraturen und zumindest dem Versuch, aus der Figur mehr als ein Abziehbild zu machen. Das wäre ihr sicherlich besser gelungen, wenn der Bassa Selim von Bernd SCHMIDT seine Texte selbst hätte sprechen dürfen (es bliebt ihm nur eine einzige verbale Äußerung „Wen man nicht für sich gewinnen kann, den muß man sich vom Halse schaffen.“) und so eine Beziehung zwischen ihnen hergestellt worden wäre.
Peter ROSE als Osmin versuchte mit seiner ganzen Routine in dieser Rolle etwas aus der Partie zu machen, war aber am Ende alleine auf seine profunden Baßtöne und die exzellente Wortdeutlichkeit angewiesen, um das Publikum für sich gewinnen zu können. Blonde war hier mit Jasmin DELFS besetzt, die ebenfalls eine gute Leistung mit blitzsauberen Koloraturen ablieferte.
Mit James LEY als Belmonte wurde ich nicht wirklich warm, wobei der Sänger eigentlich alles richtig machte, aber die endgültige Identifikation mit der Rolle stellte sich nicht ein, was aber durchaus auch die Schuld der Regie sein mag. Jonas HACKER hingegen als Pedrillo war quicklebendig, soweit ihm dies die Regie erlaubt, er sang seine keineswegs einfache Partie auf hohem Niveau.
Ivor BOLTON am Pult des BAYERISCHEN STAATSOPERNORCHSTERS ließ einen animierten Mozart hören ohne irgendwelche Probleme bei Koordination zwischen Bühne und Graben, die nicht ganz leicht gewesen sein kann mit den ständig hin und her rasenden Sofas.
Der CHOR unter Leitung von Franz OBERMAIR erfüllte seine Aufgaben gut, wobei die Herren größtenteils aus dem Graben singen mußten, die Damen hingegen durften auf die Bühne. MK