„Simon Boccanegra“ – 25. April 2025

Dieses Melodramma mit einem Prolog und drei Akten fand endlich – wenigstens konzertant – wieder eine Würdigung im Prinzregententheater in München.

Warum sich Opernhäuser offenbar nicht getrauen, dieses musikalische hochkarätige Werk Giuseppe Verdis öfter auf ihre Bühnen zu bringen, ist leider nicht klar. So hatte man wenigstens bei dieser konzertanten Aufführung die Gelegenheit an diesem Abend, Musik und Handlung mit hochkarätiger Sängerbesetzung – perfekt interpretiert – kennenzulernen.

Die Handlung des Stücks mit dem Libretto von Arrigo Boito, der dies nach der ersten Fassung von Francesco Maria Piave und Giuseppe Montanelli verfaßte, stellt die tragische Liebesgeschichte zwischen dem Dogen Boccanegra und seiner großen Liebe Maria dar, deren Erzählung der Prolog beinhaltet, beide haben ein Kind, das sich nach dem Tod Marias bei seinem Todfeind Fiesco später in Genua wiederfindet, das unter dem Namen Amelia dort lebt, wobei hier zu erwähnen ist, daß es den Dogen Boccanegra tatsächlich dort gegeben hat.

Warum sich Giuseppe Verdi gerade für diese Handlung interessierte, die sich im finsteren Mittelalter Italiens befindet und die er in solch außergewöhnlichen Bestvertonung dem Publikum am 18.März 1877 im Teatro La Fenice in der Erstfassung vorstellte, mag wohl erst durch die überarbeitete Fassung am 24.März 1881 voll erfaßt werden.

Die musikalische Seite an diesem Abend oblag Ivan REPUŠIĆ , der das MÜNCHNER RUNDFUNKORCHESTER als Chefdirigent in dieser Saison leider verläßt. Er dirigierte dieses außergewöhnliche Werk des Komponisten mit bestem Einfühlvermögen, gerade was die dramatischen Stellen anbelangt und führte die Sänger exzellent durch den Abend.

Hier hat sich der Bayerische Rundfunk eine Sängerelite ausgesucht, die meines Erachtens nicht besser für diese Aufführung erwählt wurde. In der Reihenfolge des Abendprogramms erlebte man in einer hervorragenden Disposition Eleonora BURATTO als wiedergefundene Tochter Maria des Dogen, die in dieser Rolle alle möglichen piani verwirklichte und gerade bei einer konzertanten Aufführung die nötige Darstellungsinterpretation einer solchen Rolle aufweisen kann. Anstelle des erkrankten Fabio Sartori hatte man in kürzester Zeit Freddie DE TOMMASO eingeflogen, der sich gut einfügte, und diese Einspringerrolle tenoral gut bewältigte.

Den Vogel schoß in erster Linie aber George PETEAN in der Rolle des Simon Boccanegra ab, dessen Bariton mit dieser Rolle vertraut zu sein scheint und dessen Einfühlungsvermögen in die Rolle dieses unglücklichen Dogen nicht besser auf eine Bühne gebracht werden kann.

Den Anführer der Volkspartei Pietro gestaltete stimmlich perfekt Miklòs SEBESTYÉN, während den zweiten Vogel dieser Aufführung Alexander VINOGRADOV als Jacopo Fiesco abschoß, der eine außergewöhnliche bassistische Leistung in dieser Partie erbrachte, gerade in den lyrischen Stellen zeigte er eine hervorragende sängerische Ausdrucksleistung. Diese Stimme hätte man gerne des öfteren in München.

Die Intrigantenrolle des Paolo Albani verkörperte in sehr guter stimmlicher baritonaler Verfassung Ljubomir PUŠIKARIĆ. Die kleineren Rollen des Libretto wie Dienerin Amelias und der Hauptmann wurden von sehr guten Sängern wie Ruth VOLPERT und Moon Yung OH ausreichend interpretiert.

Vor allen Dingen muß jetzt der CHOR DES BAYERISCHEN RUNDFUNKs unter der Leitung von Stellario FAGONE erwähnt werden, dessen Einstudierungen immer wieder eine hervorragende Chorleistung erbringen.

Alles in allem kann man von einer unvergeßlichen Leistung aller sprechen, was das Publikum im ausverkauften Haus mit anhaltendem Beifall bekundete. I.St.