Puccinis Japan-Drama im Wochentakt in zwei Produktionen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und jede auf ihre Weise so interessant wie fesselnd. Eike GRAMSS‘ Berliner Inszenierung stand diesem Abend kurz vor ihrem 35. Jubiläum und hat – auch dank der exakten Einstudierung (Marcin ŁAKOMICKI) – nichts von der Wirkung eingebüßt, die sie vor 33 Jahren auf uns hatte.
Bühnenbild und Kostüme (beides von Peter SYKORA) folgen der Tradition, ohne museal daherzukommen. Dreh- und Angelpunkt ist Butterflys Haus, das dekonstruiert mit wenigen Wandelementen sowie ohne Dach daherkommt, aber zusammen mit wenigen Requisiten und der durchdachten Personenregie nichts an der perfekten Theaterillusion vermissen lässt.
Die durchweg zeitgemäßen und örtlich passenden Kostüme ohne überflüssiges Chichi vervollständigen diese Wirkung (und wir sind nach wie vor #TeamBlaueUniform). Die Lichtregie von Irene SELKA sorgte für die passende Stimmung in jeder Szene.
Elena GUSEVA mußte als Cio-Cio-San im ersten Akt ein wenig damit kämpfen, eine schüchterne Fünfzehnjährige zu singen und zu spielen, ist da viel zu erwachsen. Nach der Pause aber bietet sie eine großartige Leistung, die Stimme scheint keine Grenzen zu kennen, sie verausgabt sich auch szenisch, so daß sie sogar die teilweise leicht gelangweilte Teenagergruppe vor uns zum Jubeln brachte.
Als Suzuki war wieder Natalia SKRYCKA zu erleben, wobei dieses Mal der Eindruck schwächer war als bei der letzten Begegnung 2021, sowohl stimmlich als auch darstellerisch weniger präsent, aber auf solidem Niveau.
Pinkerton war bei Najmiddin MAVLYANOV in exzellenten Händen. Er singt prachtvoll mit mehr schönen Phrasierungen, als man in dieser Rolle üblicherweise zu hören bekommt. Auch schafft er es am Ende, die Rolle zwar in selbstmitleidiger Reue enden zu lassen, dabei aber trotzdem irgendwie noch bei den Besuchern widerwilliges Mitgefühl zu wecken.
Mit Sharpless, hier eher sharp-los, taten wir uns auch an diesem Abend schwer. Ist es ein Trend, den amerikanischen Konsul als dauerbetrunken auf die Bühne zu stellen? Arttu KATAJA hinterließ auch stimmlich einen ähnlichen Eindruck wie sein Kollege in Stockholm.
Als Goro beeindruckte Opernstudio-Mitglied Junho HWANG nicht nur mit einer sehr natürlich wirkenden Leichtigkeit im wohldurchdachten Spiel, sondern vor allem mit seiner durchaus attraktiven, gut geschulten Stimme, die sich problemlos im Zusammenklang mit seinen Kollegen behaupten konnte.
Irakli PKHALADZE, Baßbariton im Opernstudio, verlieh Yamadori die notwendige Noblesse und sehr viel Bühnenpräsenz. Sandra LAAGUS‘ Kate wirkte sehr bestimmt und autoritär, aber in keinem Moment unsympathisch.
Onkel Bonze war Gerard FARRERAS, der ruhig noch ein wenig mehr hätte donnern können über Butterflys Verrat an seinen Werten. Der imperiale Kommissar Hanseong YUN ließ aufhorchen. Elisa ZIELINSKA (Kind) war rollendeckend niedlich und schien sehr aufmerksam das Bühnengeschehen zu verfolgen.
Verena ALLERTZ (Mutter), Olga VILLENSKAIA (Tante), Michéle CUSSON (Cousine), Thomas NEUBAUER (als Charakterstudie des ständig betrunkenen Onkels) fügten sich gut ein.
Der STAATSOPERNCHOR (Einstudierung Chor: Dani JURIS) durfte sich zu Recht bereits nach dem ersten Akt mit einem Solo-Vorhang feiern lassen, während man die STAATSKAPELLE BERLIN gerade in diesem Stück vor einigen Jahren schon animierter gehört hat. Das mag auch an dem Dirigat von Keri-Lynn WILSON gelegen haben, die zu sehr auf Lautstärke setzte und damit den Sängern es unnötig schwer machte. Hätte sie nicht bei Cio-Cio-San und Pinkerton zwei großformatigere Stimmen als häufig üblich zur Verfügung gehabt, wäre das richtig schief gegangen. AHS & MK