In Stockholm gibt es einmal jährlich die Kulturnatten, die Kulturnacht, eine kostenlose Veranstaltung irgendwo zwischen Theaternacht, langer Nacht der Museen und Fringe Festival.
Das Ganze wird stark von der Bevölkerung angenommen, man sieht viele Menschen, die offenbar das erste Mal das Opernhaus besuchen oder ein Museum betreten, teilweise mit auch sehr kleinen Kindern, auch Personen, die nicht zum üblichen Publikum von Kulturinstitutionen gehören. Da könnte man durchaus überlegen, ob diese Organisationsform nicht auch auf andere Städte übertragen werden könnte, gerade auch in Zeiten sinkender Zuschauerzahlen.
Opernhaus
Wenn irgendjemand behauptet, Oper sei tot oder eine sterbende Kunstform, der hat die Schlange nicht gesehen, die sich gebildet hatte, um zu den Veranstaltungen ins Opernhaus zu kommen. Wir stellten uns um 17.30 Uhr für die um 18.30 Uhr beginnenden Ausschnitte aus dem aktuellen Repertoire an. Zu diesem Zeitpunkt war die Schlange zum Einlaß geschätzte zweihundert Meter lang. Zum Zeitpunkt des Einlasses hatte die Schlange sich mindestens verdoppelt. Als wir das Haus nach den Ausschnitten wieder verließen, die um 19.30 Uhr wiederholt wurden, war die Schlange noch immer dreihundert Meter lang, eine weitere Stunde später standen für die Ausschnitte aus dem Ballett erneut hunderten von Menschen an.
Nach einer zweisprachigen Begrüßung durch den Intendanten Tobia Theorell gab es Ausschnitte aus der „Zauberflöte“ und „Turandot“ zu hören. Unter der Leitung von Jori KLOMP, dem Chorleiter des Hauses, spielte die KÖNIGLICHE HOFKAPELLE mit viel Verve und der KÖNIGLICHE OPERNCHOR sang sowohl Mozart als auch Puccini auf hohem Niveau.
Dimitris PAKSOGLOU sang ein klug disponiertes und bar jeder Effekthascherei gestaltetes „Nessum dorma“, was Lust machte, ihn die gesamte Partie singen zu hören. Es ist immer erfreulich, wenn ein Sänger gerade dieses Stück nicht als Bravourarie heruntersingt, sondern sogar in einem Konzert den Kontext nicht vergißt.
Jens PERSON HERZTMANN wurde als Papageno zu „Ein Männchen oder Weibchen“ von einer Gruppe sehr tanzfreudiger, knuffiger Braunbären begleitet (die dazugehörige Inszenierung würde ich gerne sehen). Der Bariton sang und spielte mit viel Charme und schönem lyrischen Bariton die Szene aus.
Zum Papageno/Papagena-Duett kam dann Vivianne HOLMBERG hinzu. Die beiden spielten derartig animiert ihr Zueinanderfinden, inklusive Entledigung von Kleidungsstücken, daß sie vom Dirigenten zur Ordnung gerufen werden mußten „wegen der anwesenden Kinder“. Ein wirklich sehr amüsanter Ausschnitt.
Der Applaus des bunt zusammengewürfelten Publikums aus erfahrenen Theaterbesuchern und Personen, die das erste Mal ein Opernhaus betreten haben, war laut und anhaltend. Eine bessere Werbung für die Oper kann man sich nicht wünschen.
Opernpub im Wasahof
Tja, wir hätten gerne etwas über das dortige Operettenkonzert geschrieben. Aber es sollte nicht sein, denn aufgrund einer völlig intransparenten Einlaßpolitik mußten wir leider draußen bleiben. Es gab nur fünfundzwanzig Plätze in dem unter einem Restaurant liegenden Raum. Offenbar gab es eine Reservierungsliste, auf die man sich hätte eintragen können. Wie dies geschehen sollte, war nirgendwo zu erfahren. Es gab aber bei unserem Erscheinen eine knappe Stunde vor Beginn die Ansage, daß man sich auf eine Warteliste setzen lassen könnte, da alle verfügbaren Plätze bereits reserviert seien; wenn jemand nicht kommen würde, könne man nachrücken. Soweit, so in Ordnung.
Nur erwartet man dann auch, daß man, wenn man auf dieser Warteliste steht, entsprechend der Reihenfolge behandelt wird, wie man erschienen ist. Das war aber nicht der Fall. Es wurden pausenlos weitere Personen eingelassen, die nicht auf der Reservierungsliste standen und nach uns gekommen waren. Am Ende wurden wir und weitere Wartende weggeschickt, während einer vom Verantwortlichen ausgesuchten Person bedeutet wurde, sie solle bleiben, sie könne hinein.
Somit können wir nichts über die musikalische Qualität schreiben, sondern nur sagen: Den Weg nach Vasastan kann man sich zumindest in der Kulturnatten sparen, da man sowieso nicht hereinkommt. Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, daß die angebliche Warteliste nur dazu dient, daß man während der Wartezeit, ob man vielleicht über die Warteliste doch noch hinein kommt, Umsatz an der Bar macht. Denn hinein kommt man ja nicht, wenn dem Verantwortlichen die Nasen anderer Personen besser gefallen und ihm bekannte Personen bevorzugt werden. MK