Franz Lehars zündende unvergeßliche Melodien fanden nach langer, langer Zeit endlich wieder einen Platz im Staatstheater am Gärtnerplatz.
Uraufführung des Werks fand am 12. November 1909 im Theater an der Wien statt, das Libretto stammt von Alfred Maria Willner und Robert Bodansky. Die Partitur entstand in Lehars Sommersitz in Bad Ischl, wobei der Komponist selbst mit seinem Auftragswerk so gar nicht zufrieden zu sein schien, denn er bemerkte bei Übergabe an den Verlag „Der Schmarrn ist fertig, und wenn es keinen Erfolg haben wird, habt ihr es euch selbst zuzuschreiben.“ Aber trotz der Befürchtungen des Komponisten wurde das Stück ein Welterfolg.
Das Staatstheater am Gärtnerplatz nahm nun endlich dieses musikalisch hochwertige Werk Lehars in sein Spielzeit-Programm auf, so daß man wieder in den so bekannten Ohrenwürmern wie „Bist Du’s lachendes Glück“, „Wir bummeln durchs Leben“, „Mädel klein, Mädel fein“, „Lieber Freund, man greift nicht nach den Sternen“ usw. schwelgen konnte.
Allerdings gab es für das Staatstheater am Gärtnerplatz eine von Peter LUND dem Libretto abgewandelte Fassung, die aus der Titelpartie eine zwielichtige Karrierefigur machte, die in die Adelswelt aufsteigen wollte, was am Schluß auch durch eine Adoption gelingt. Peter Lund, offenbar nicht nur für diese Fassung verantwortlich, übernahm auch die Regie, bei der er glücklicherweise sehr gute Ideen entwickelte, da er diese in die Zeit der Jahrhundertwende legte, und es dadurch werksgetreu auf die Bühne kam.
Die musikalische Leitung lag in den bewährten Händen von Michael BRANDSTÄTTER, der das ORCHESTER DES STAATSTHEATERs partiturgerecht durch den Abend führte. Das Werk zeichnet hier ein sehr gutes Bühnenbild aus – modern und doch der Zeit des 20. Jahrhunderts angepaßt, präsentiert von Jürgen Franz KIRNER, mit den ebenfalls passenden Kostümen von Daria KORNYSHEVA. Für die sehr guten Ballett-Einlagen zeigte sich Alex FREI verantwortlich.
Die Titelpartie des René Graf von Luxemburg – hier diese etwas zwielichtige Figur zunächst als Kammerdiener und Liebhaber einer veralteten Gräfin – übernahm Daniel PROHASKA in bester gesanglicher und darstellerischer Abendform. Seine Geliebte Angèle Didier –eine ehrgeizige, verarmte Künstlerin, die ebenfalls Karriere in Adelskreisen machen wollte – wurde von Andreja ZIDARIC bestens gesanglich interpretiert. Beide Hauptfiguren lernen sich im übrigen in einem Zugabteil kennen, was durch Peter Lund schon zu Beginn der Operette eine geglückte Regie-Idee war.
Das Buffo-Paar, der Maler Arman Brissard und die Figur der Juliette Vermont wurde von Peter NEUSTIFTER und Sophia KEILER bestens interpretiert. Den heiratswütigen verliebten Fürsten Basil gab wie immer in glänzender Rollenauffassung Erwin WINDEGGER. Die liebeswütige Gräfin von Luxemburg wurde von Dagmar HELLBERG hervorragend herausgearbeitet dargestellt, vor allen Dingen fand ihr solistischer Vortrag gegen Ende des Stücks sehr viel Beifall des Publikums.
In einer Doppelrolle als Sergej Mentschikoff und Portier war gut besetzt Juho STÉN auf der Bühne, ebenso in drei Rollen Alexander FRANZEN als Pélegrin, Zugschaffner und Direktor Vaduz, bestens ausgewählt. Ekatarina TARNOPOLSKAJA stellte sich als männlicher Pianist vor, ebenso war ein Page von Jaro NEUSCHWANDER auf der Bühne.
Die Choreographie von Alex Frei paßte sich bestens durch das TANZENSEMBLE des Theaters den Regie-Ideen an.
Der CHOR DES STAATSTHEATERs war durch die Einstudierung von Pietro NUMICO und Dovile ŠIUPĖNYTĖ wieder erfolgreich auf der Bühne.
Man hofft, diese Operette lange auf dem Spielplan des Gärtnerplatztheaters zu finden. I.St.