„Faust“ – 16. Februar 2026

Das unter dem Namen „Margarethe“ an deutschen Opernhäusern in der Vergangenheit aufgeführte Werk des französischen Komponisten Charles Gounod, dessen Komposition zur sog. Opéra-lyrique zählt, fand endliche seine Würdigung nach langer Zeit an der Bayerischen Staatsoper.

Die Handlung entspricht voll dem unvergeßllichen Werk von Johann Wolfgang von Goethe, dem wohl auch die Librettisten der Oper Jules Barbier und Michel Carré folgten. Da in französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln gesungen wurde, entnahm man glücklicherweise den deutschen Übertiteln viele Texte aus Goethes „Faust“.

Lotte de BEER, die die Inszenierung innehatte, stellte glücklicherweise ein librettogetreues Werk auf die Bühne, veränderte nicht, wie vielerorts üblich nichts daran, so daß das Publikum das historische Handlungsgeschehen mit einem zeitgerechten Bühnenbild von Christoph HETZER musikalisch hochkarätig besetzt genießen konnte. Auch die Kostüme von Jorine van BEEK paßten sich bestens an.

Besonders geglückt fand die Verwandlungsszene des alten Faust (hier im Rollstuhl mit allen Hilfsmitteln des Alterns) in einen atraktiven jungen Mann statt, auch die Walpurgisnacht war eindrucksvoll wiedergegeben. Dazu käme noch der gelungene Einfall, Margarethe ihr Kind im Taufwasser zu ertränken. Hier wäre so manches mehr dieser geglückten Regie-Ideen herauszugreifen, die sich wie schon erwähnt, absolut nach dem bekannten Werk von Johann Wolfgang von Goethe richtete.

Die musikalische Leitung des Abends lag in den Händen von Nathalie STUTZMANN, die die lyrische Musik des Komponisten mit dem BAYERISCHEN STAATSORCHESTER bestens herausarbeiten und wiedergeben konnte. Da sie selbst auch noch als Sängerin tätig ist, hatte sie ein besonderes Einfühlungsvermögen für die Gesangsinterpreten des Abends. Somit lag die Musik von Charles Gounod in den besten Händen, zumal diese Oper noch dazu mit einer hochkarätigen Sängerriege besetzt war.

In der Folge des Programmzettels war in der Titelpartie des Faust Jonathan TETELMAN auf der Bühne, der mit bester tenoraler Technik und Darstellung diese seine Rolle meistern konnte. Sein Tenor ist meist mit italienischen Partien betraut und bekannt, er konnte sich wohl auch dadurch mit diesem flair bestens in diese große Partie einfühlen. Als Mephistophéles war Kyle KETELSEN eine Bestbesetzung, besser konnte man diese schwierige Partie eines Herrn der Unterwelt nicht gesanglich und darstellerisch gestalten, hier sei besonders sein Vortrag der Arie des goldenen Kalbs zu erwähnen, die sein großes Können gerade bei teuflischen Rollen bewies.

Valentin war mit Florian SEMPEY bestens interpretiert besetzt, ebenso wie die Rolle des Wagners mit Thomas MOLE. Marguerite war Olga KULCHYNSKA, die sich stimmlich wie darstellerisch bestens auf der Bühne zeigte. Besonders beeindruckend die Schlußszene der Oper, wo sie sich in sopranistischer Bestdisposition noch steigern konnte. Eine Entdeckung dürfte wohl die Sopranistin Emily SIERRA als Siebel sein, sie konnte ihr Können in dieser Hosenrolle bestens vorstellen, was ihr auch viel Schlußbeifall des Publikums bewies. Auch war die Rolle der Marthe (eigentlich Marthe Schwertlein bei Goethe) mit Dshamija KAISER rollengerecht besetzt.

Besondere Erwähnung muß wieder einmal die Leistung des OPERNCHoRS DER BAYERISCHEN STAATSOPER finden, der wiederum von Christoph HEIL einstudiert wurde. Herr Heil vermag aus den großartigen Sängern des Chors in Darstellung und Gesangsinterpretation nur Bestleistungen herauszuholen.

Leider fand diese sonst so hoch gelobte Inszenierung an diesem Rosenmontag nicht so recht den Anklang beim Publikum wie sonst, es gab weniger Vorhänge für Sänger und Dirigentin, vielleicht auch keine so glückliche Wahl auf dem Spielplan für einen Rosenmontag. I.St.