„Fürst Igor“ – 14. Februar 2026

Dieses selten auf anderen deutschen Bühnen aufgeführte Werk, bekannt nur durch die „Polowetzer Tänze“, fand durch eine exzellente und durchdachte Inszenierung des Regisseurs Roland SCHWAB endlich seine Würdigung am Staatstheater am Gärtnerplatz in München.

Roland Schwab richtete seine Regieauffassung nach dem Inhalt des „Igor-Lieds“, das aus dem 12. Jahrhundert überliefert ist und das den sinnlosen Kampf des christlichen Fürsten Igor aus dem heutigen Nowgorod-Sewersk, einem damaligen Grenzland zum heidnischen Steppenvolk der Polowetzer aufzeigt, den er verlor, und er doch nicht aufgab, und verletzt am Ende wieder in den Krieg ziehen will.

Einige eingefügte Texte aus dem heutigen Ukraine-Krieg im Bühnenbild zeigten Parallelen zur Jetztzeit auf, wobei aber anzumerken ist, daß die Handlung der Oper mit einem mit einem nahezu authentischem Bühnenbild ins damalige Studierzimmer des Alexander Borodin gelegt ist. Gründerzeit und Mittelalter waren sozusagen im Bühnenbild vermischt.

Borodin, eigentlich ein Chemiker, beschäftigte sich eigentlich nur nebenbei mit der Musik, so daß er anfangs mit seinem Librettisten Wladimir Stassow angeregt mit der Komposition begann, an der er 18 Jahre lang arbeitete, so daß er vor seinem frühen Tod am 18. Februar 1897 in dieser Zeit selbst am Libretto arbeitete. Daher hinterließ er nur Fragmente seiner Komposition, die dann durch seine Freunde Nikolas Rimski-Korsakow und Alexander Glasunow, der die Rekonstruktion des 3. Aktes und die Ouvertüre vollendete, zum Ende der Oper gebracht wurden. Roland Schwab stellte diese drei Komponisten in stummen Rollen auf die Bühne, die hervorragend dargestellt wurden durch Dieter FERNEGEL als Borodin, Vladimir PAVIC als Rimski-Korsakow und Tobias KARTMANN als Glasunow.

Dabei ist anzumerken, daß immer dann, wenn ein musikalischer Ausschnitt von Borodin selbst stammend vom Darsteller des Komponisten stumm auf einem auf der Bühne befindlichen Flügel so dem Publikum nahegebracht werden konnte. So brachte Roland Schwab diese so lange in den musikalischen Archiven schlummernde Oper wieder zu Ehren, zumal ihm auch ein Bühnenbildner wie Piero VINCIGUERRA und eine Kostümbildnerin wie Renée LISTERDAL bestens zur Seite standen. Beide konnten das Foyer des Komponisten des vorigen Jahrhunderts und die Kostüme des 12.Jahrhunderts des damaligen Russlands in eindringlicher Weise dem Publikum vorstellen.

Da diese Oper auch eine beste Choreographie braucht, war Karl Alfred SCHREINER hier in seinem besten Element, das sich in jeder Tanzeinlage durch das BALLETT DES STAATSTHEATERS ausdrückte, vor allem in den „Polowetzer Tänzen“ des 2. Akts, bei denen Borodin bis zum Exzess tanzend den Herztod fand, was im übrigen auch in der Realität auf einem Ball geschah.

Rubén DUBROWSKY, der musikalische Chef des Hauses, brachte die dem Publik bis dato wenig bekannte Musik hervorragend einstudiert und ausgearbeitet mit dem ORCHESTER DES STAATSTHEATERS zum Publikum. Es wäre hier noch zu erwähnen, daß Ekaterina TARNOPOLSKAJA die Klavier-Einlagen bestens zum Publikum brachte.

Man hatte für diese Inszenierung sich die bestens Interpreten, nicht nur aus dem Ensemble, engagiert. In der Folge des Programmzettels war in ungewöhnlich ausdrucksstarkem Bariton Matija MEIĊ, der auch in der Darstellung des unglücklichen Fürsten bestens ausgewählt aus dem Ensemble, eine Bestbesetzung war, ihm zur Seite mit leuchtenden Soprantönen, gerade in der Höhe, Oksana SEKARINA als seine Gattin Jaroslawna, was gerade in ihrer Klage-Arie besonders zu hören war.

Eine lange nicht gehörte Tenorstimme am Gärtnertheater ist Arthur SPIRITU, dessen tenoraler Vortrag als Sohn Wladimir des Igor in Bestdisposition auf der Bühne war. Timos SIRLANTZIS als Fürst Galitzky bewies wieder einmal sein großes bassistisches Können in der Darstellung und stimmlichem Ausdruck gerade in den Intrigantenrollen.

Als Khan Kontschak war überzeugend stimmlich wie darstellerisch Levente PÁLL auf der Bühne, während Monika JÄGEROVÁ als seine Tochter Kontschakowna und Geliebte des Wladimir in ihren Mezzo-Arien eine Entdeckung am Gärtnerplatz-Theater sein dürfte.

Eine Beststudie in der Rolle des Owur lieferte wieder einmal Juan Carlos FALCÓN ab, die beiden Opportunisten von Juho STÉN und Gyula RAB fügten sich bestens in das Handlungsgeschehen ein ebenso das Polowetzer Mädchen von Tamara OBERMAYR.

Man sang im übrigen in russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln.

Eine große Leistung erbrachten das Ballett des Staatstheaters unter der schon erwähnten Choreographie von Karl Alfred Schreiner und der CHOR des Theaters unter der bewährten Einstudierunng von Pietro NUMICO.

Die Begeisterung des Publikums war am Schluß ohne Grenzen. Hoffentlich hält sich dieses Werk sehr lange auf dem Spielplan des Gärtnertheaters. I.St.