Von Anfang an fühlte man sich in dieser Inszenierung von David BÖSCH wohl. Der Regisseur arbeitete das Mileu eines tschechischen Dorfs bestens aus, passend zur einfühlsamen Musik von Friedrich Smetana, der jetzt den tschechischen Vornamen Bedřich führt.
Das Libretto schrieb ebenfalls ein Tscheche namens Karel Sabina. In jeder seiner Kompositionen kann Friedrich Smetana die tschechische Seele dem Zuhörer nahebringen, unvergleichlich seine Wiedergabe gerade in dieser seiner Oper, und die ebenso unvergleichlich schöne Arien und Duette enthält. Die Erstaufführung in Prag war ja bereits am 30. Juni 1866, das damalige Königliche Hof- und Nationaltheater München startete die deutsche Erstaufführung am 23. Januar 1894, und seit dieser Zeit kehrt sie doch in einigen Abständen wieder zurück, Premiere in dieser Inszenierung war am 22. Dezember 2018.
Die musikalische Leitung übernahm an diesem Abend wieder Tomáš HANUS, der selbst als Tscheche einstmals mit dem ORCHESTER DER BAYERISCHE STAATSOPER auch die Premiere dirigierte, und der das Gefühl der Musik seines Landsmanns Smetana deshalb bestens dem Publikum nahebringen konnte. Auch drückte das Bühnenbild von Patrick BANNWART mit den Kostümen von Falko HEROLD, letztere bäuerlich in der Jetztzeit entworfen, voll – wie schon erwähnt – die Verhältnisse eines Dorflebens aus.
Man sah einen radfahrenden Hans, einen Traktor, und einen Wanderzirkus (letzter Akt) auf der Bühne, sogar fügte sich ein lebendes Schwein namens Xaver als Haustier des Wenzel sehr zur Belustigung des Publikums bestens in die Darstellerriege ein. Es ist eine Inszenierung, wo sich nicht nur Erwachsene und Jugendliche wohlfühlen, letztere waren im ausverkauften Haus in großer Anzahl zu sehen. Die Aufführung fand in der deutschen Übersetzung von Max Kalbeck mit deutschen und englischen Übertiteln statt.
In der Reihenfolge des Programmzettels mag nun auf die Gesangssolisten des Abends eingegangen werden. Juliane BANSE und Christian RIEGER als Elternpaar der Marie wurden bestens darstellerisch und bestdisponiert interpretiert, deren Tochter Marie, die „verkaufte Braut“ war darstellerisch bestens von Emily PROGEREIC auf der Bühne,, die sich nach einigen anfänglichen Einsingeprobleme steigern konnte, in ihrer Verzweiflungsarie am Ende als sozusagen „verkaufte Braut“ konnte sie ihr ganzes Können voll ausleben.
Als Micha und Agnes, das Elternpaar des Hans, waren Martin SNELL und Katja PIEWECK gut ausgewählt auf der Bühne. Eine besondere Beachtung als Wenzel muß Ya-Chung HUANG finden, er erbrachte eine Bestleistung, nicht nur stimmlich, in dieser Tölpelrolle, was ihm auch das Publikum mit großem Beifall bewies. Pavol BRESLIK als Hans, der seine Braut nur zum Schein verkaufte, glänztewie stets mit ausgezeichneter Höhe, was er in seiner Arie „Es muß gelingen“ voll beweisen konnte.
Als Kezal war diesesmal Martin WINKLER zu hören und zu sehen, der weder in der Darstellung des schlauen, am Ende doch genasführten Heiratsvermittles noch in der Stimme ganz überzeugen konnte. Als Zirkusdirektor Springer konnte man wieder in einer herrlichen Studie Kevin CONNERS erleben, auch überzeugte stimmlich wie darstellerisch Erika BALKOFF in ihrer Rolle, wobei anzumerken wäre, daß sie dazu eine bewundernswerte Leistung als Seiltänzerin erbrachte. In der Rolle des Muff war gut interpretiert Pawel HORODYSKI auf der Bühne.
Die CHOReinstudierung lag in den besten Händen von Franz OBERMAIR, wobei anzumerken wäre, welche großartige Singdarsteller gerade in dieser Oper die Choristen der Bayerischen Staatsoper sind.
Unendlicher Jubel am Ende, gerade der Jugend. Mit einem solchen Abend kann man Opernhäuser füllen. I.St.